Kachelofengeschichte
Kulturhistorische Entwicklung des antiken Kachelofens —
von der primitiven Feuerstätte zum modernen Kachelofen
Kachelöfen sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der europäischen Kulturgeschichte. An der Entwicklung der Feuerstätten kann auch die Geschichte
menschlicher Zivilisation abgelesen werden: Mit dem Sesshaftwerden der Menschen folgten auf mobile, offene Feuerstellen festaufgebaute Öfen. Ton-Erde-Mischungen, die in vielen Gegenden Europas zu finden waren hatten sich als besonders feuertaugliches und gleichzeitig wärmespeicherndes Material herausgestellt. Frühe Öfen wurden deshalb entweder aus Lehm oder aus Steinquadern mit Lehmmischungen als Fugen-Mörtel aufgebaut.
Die Erfüllung zweier Grundbedürfnisse machte den Ofen zum Mittelpunkt des Familienlebens: er war zentrale Wärmequelle aber auch der Ort, an dem die Nahrung zubereitet wurde. Erst im späten Mittelalter rückte für eine kleine, reiche Oberschicht auch seine äussere Gestaltung in den Mittelpunkt des Interesses.
Voraussetzung dafür war die Entwicklung des rein handwerklich ausgebildeten Ofenbauers — auch Hafner genannt — zum kreativ arbeitenden Keramiker. Künstlerisch interessierte Hafner begannen kleinformatige, ebenfalls aus Tonerde bestehende Kacheln zu formen. Diese wurden glasiert und über einen Brennvorgang gehärtet. Zunächst fanden derartige Kacheln bei der Aussengestaltung des Ofens nur als einzelne Zierkacheln Verwendung. Archäologische Untersuchungen datieren übrigens die ersten Zierkacheln auf das 13. Jahrhundert.
Mit zunehmender Perfektionierung der Herstellungstechnik ging man dann allmählich zur dekorativen Kachel-"Verkleidung" des ganzen Ofens über. Vollständig gekachelte Öfen sind für Anfang des 14. Jahrhunderts nachweisbar. (siehe auch R. Franz: "Der Kachelofen", Akademischen Druck- und Verlagsanstalt Graz)
